7. Mai 2010 tobias

FACEBOOK 2015

Beim kleinen Vermarkter am Rande der Stadt.

1. Juni 2015 – Nun ist es also soweit. Wir haben Insolvenz anmelden müssen. In den letzten drei Jahren sind die bei uns gebuchten Werbebudgets um 90% gesunken. Wir konnten den laufenden Betrieb nicht mehr finanzieren. Unser Sales wurde immer wieder nach Hause geschickt, da wir bezüglich Reichweite und Zielgruppengenauigkeit nicht mehr mit den beiden großen Anbietern konkurrieren konnten. Vor fünf Jahren sah das noch alles ganz anders aus…

Klar, 2010 hatte Google schon einen erheblichen Teil des Werbemarktes unter Kontrolle. Search bestimmte den Werbemarkt und den Traffic. Aber damit kamen wir klar. Bannerkampagnen bei den großen deutschen Publishern wurden über uns Vermarkter gebucht und wir hatten einen guten Revenue. Die Umsätze wuchsen. Die größte Gefahr stellt für uns die Machtkonzentration der Mediaagenturen dar, allein das Agenturnetzwerk WPP bündelte immer mehr Werbebudgets und konnte so enorme Rabatte bei der Vermarktung erzielen. Im Großen und Ganzen brummte das Geschäft jedoch.

Doch dann kam ein neuer Player hinzu, mit dem niemand so gerechnet hatte: Facebook!

Es fing recht harmlos an. Facebook startete seinen Like-Button als Code-Schnipsel, der in jede Webseite eingebunden werden konnte. Blogger und auch einige Portale taten dieses sofort und stellten erstaunt fest, dass der Traffic ordentlich wuchs. Auch für die Nutzer war der Button sehr bequem. Man konnte an Webseiten partizipieren und zwar mit einem einzigen Klick. Andere Webseiten zogen nach und der Like-Button startete seinen Siegeszug; welche Daten im Hintergrund aggregiert wurden war nicht so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit.

2011 startete Facebook dann seinen Vermarktungsdienst ADbook…
Dieser hatte nicht mehr nur die Vermarktung innerhalb von Facebook zum Ziel, sondern machte auch alle Nutzer des Like-Buttons zu Partnern und deren Seiten zu Werbeflächen. Die Partner konnten recht einfach Werbebereiche in Ihre Webseiten einbinden und wurden über einen Revenue-Share beteiligt.

In den Werbebereichen war vieles möglich, klassische Bannerwerbung, Social Media Ads, oder auch Community-Bereiche, in denen Firmen ihr Social Engagement zeigen konnten. Durch die Verknüpfung mit Zielgruppenprofilen und die über den Like-Button erhobenen Vorlieben der Zielgruppen schaffte ADbook aus dem Stand deutlich höhere Conversionsraten bei der Werbeauslieferung gekoppelt mit der enormen Reichweite zog ADbook dann sehr schnell an allen Mitbewerbern, auch Google, vorbei und war 2013 weltweit Marktführer. Die weltweiten Agenturnetzwerke wie WPP verhandeln global mit Google und Facebook. Die Publisher waren gezwungen sich einem der beiden Werbenetzwerke anzuschließen, um überhaupt Umsätze über Werbung zu erzielen. Die nationalen Vermarkter, also auch wir, spielen seitdem keine Rolle mehr…

Soweit zum Szenario.

Natürlich ist der Text reine Fiktion. Bezüglich der Vermarktungsstrategie halte ich „ADbook“ aber für sehr wahrscheinlich und es scheint für mich eine logische Entwicklung zu sein. Spannend ist auch, dass der Like-Button sowohl im Long-Tail, als auch bei trafficstarken Seiten zusätzliche Sichtbarkeit und damit (wie man hört nicht mal schlecht) weiteren Traffic generiert. Das gab es vorher so noch nicht.

Stichwort Disruptive: Das ist es auch, nach Search kommt Social Network. Jetzt auch in echt….

In fünf Jahren werden wir sehen ob ich richtig liege….

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